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Klara und ihr Monster tanzten im Regen

Es war einmal ein kleines, glückliches Mädchen namens Klara, das in einem kleinen Dorf am Fuße eines riesigen Berges lebte. Dieses Dorf hatte eine ganz besondere Eigenschaft: Es regnete dort fast immer. Die Dorfbewohner hatten sich längst an das nasse Wetter gewöhnt, aber Klara liebte es besonders, im Regen zu tanzen.

Eines Tages, als sie in ihrem Garten spielte und die Regentropfen auf ihre Haut prasseln ließ, entdeckte sie einen geheimen Pfad, der hinter ihrem Haus in den dichten Wald führte. Neugierig folgte sie dem Pfad und stieß auf eine Höhle, in der ein großes, schuppiges Monster lebte. Das Monster hatte lange, gekrümmte Hörner, scharfe Zähne und funkelnde, bernsteinfarbene Augen. Es war ein furchteinflößendes Anblick, aber Klara spürte, dass das Monster keine bösen Absichten hatte. Sie näherte sich ihm langsam, streckte ihre Hand aus und berührte vorsichtig seine raue Haut.

Zu ihrer Überraschung sprach das Monster zu ihr: “Kleine Klara, du hast keine Angst vor mir? Ich bin ein gefürchtetes Wesen, das die Menschen seit Generationen in Schrecken versetzt!”

Klara lächelte sanft und antwortete: “Ich spüre, dass du kein böses Herz hast. Warum sollte ich Angst vor dir haben?”

Das Monster war verwirrt und zugleich beeindruckt von Klaras Mut und ihrer Fähigkeit, hinter seine furchterregende Erscheinung zu blicken. “Nun, da du hier bist, erzähle ich dir meine Geschichte”, begann das Monster. “Ich war einst ein stolzer Krieger, der das Dorf vor bösen Mächten beschützte. Aber ein Fluch hat mich in dieses schreckliche Monster verwandelt, und nun fürchten mich die Menschen, die ich einst beschützte.”

Klara hörte aufmerksam zu und fragte: “Gibt es denn keinen Weg, den Fluch zu brechen und dich wieder in einen Menschen zu verwandeln?”

Das Monster seufzte und erklärte: “Der Fluch kann nur gebrochen werden, wenn ein Mensch ohne Angst in sein Herz sieht und ihm einen Akt reiner Freude schenkt.”

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Klara dachte nach und sagte schließlich: “Ich glaube, ich weiß, wie ich dir helfen kann. Komm mit mir, ich möchte dir zeigen, was Freude bedeutet.”

Das Monster zögerte, aber Klara überzeugte es, ihr zu folgen. Hand in Hand kehrten sie ins Dorf zurück, und die Menschen flohen in Panik, als sie das riesige, schuppige Monster sahen. Doch Klara rief ihnen zu: “Habt keine Angst, es ist mein Freund! Er will uns nichts Böses!”

Die Dorfbewohner blieben skeptisch, aber Klara ließ sich nicht beirren. Sie zog das Monster mit sich und begann, im Regen zu tanzen. Anfangs war das Monster steif und ungeschickt, doch mit der Zeit, dank Klaras Geduld und Anleitung, lernte es, sich im Rhythmus des Regens zu bewegen.

Während Klara und das Monster tanzten, begannen die Dorfbewohner neugierig zuzusehen. Sie bemerkten, dass das Monster trotz seines furchterregenden Äußeren eine gewisse Anmut und Zartheit besaß. Mit jedem Schritt und jeder Drehung, die es gemeinsam mit Klara vollführte, wurde das Monster geschickter und entspannter.

Nach und nach gewannen die Dorfbewohner Mut und traten näher heran, bis sie schließlich beschlossen, sich dem Tanz anzuschließen. Die Musik erklang lauter, und der Platz füllte sich mit fröhlichen Menschen, die im Regen tanzten, lachten und das Monster als Teil ihrer Gemeinschaft akzeptierten.

Währenddessen spürte das Monster eine tiefe Freude, wie es sie seit seiner Verwandlung nicht mehr empfunden hatte. Es tanzte mit Klara und den anderen Dorfbewohnern, und sein Herz wurde von Glück erfüllt. Inmitten des ausgelassenen Tanzes begann sich das Monster langsam zu verändern. Seine schuppige Haut wurde glatter, seine Hörner schrumpften, und seine Zähne verloren ihre Schärfe. Schließlich verwandelte sich das Monster wieder in den tapferen Krieger, der es einst gewesen war.

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Die Dorfbewohner staunten über die Verwandlung und begrüßten den Krieger freudig in ihre Mitte. Sie erkannten, dass es Klara und ihre unerschütterliche Liebe zum Tanz im Regen und ihr Vertrauen in das Gute im Monster gewesen waren, die den Fluch gebrochen hatten.

Von diesem Tag an lebte der Krieger glücklich und in Frieden mit den Dorfbewohnern, und Klara hatte einen neuen Freund gefunden. Die beiden verbrachten viel Zeit miteinander, und oft tanzten sie gemeinsam im Regen, um an jenen magischen Tag zu erinnern, an dem ihre Freundschaft begonnen hatte.

Die Fabel von Klara und dem Monster wurde in den folgenden Jahren immer wieder erzählt und lehrte die Menschen, dass man nicht immer auf das Äußere achten sollte. Sie vermittelte die Botschaft, dass wahre Freundschaft und Freude selbst die dunkelsten Flüche brechen können und dass es wichtig ist, in jedem Wesen das Gute zu erkennen und zu fördern.

Und so endet die Geschichte von Klara, dem glücklichen Mädchen, und ihrem Monster, die gemeinsam im Regen tanzten und zeigten, dass Liebe und Freundschaft alle Hindernisse überwinden können.

Fabel und Illustration von Matthias Böhm